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Weidmannsheil - die Jagd am Königssee

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Autor: | 22.02.2011

In den vergangenen Jahrhunderten gab es einen unbeschreiblich hohen Wildbestand rund um den Königssee. So konnten massenhaft die Tiere gejagt werden, ohne dass sich augenscheinlich Auswirkungen auf den Fortbestand der Arten einstellten

Tatsächlich wurden aber einige Rassen unwiederbringlich ausgerottet. Besonders verklärte Geschichten finden sich noch heute von den Hofjagden des Prinzregenten Luitpold von Bayern.

Jagen in Berchtesgaden

In den früheren Zeiten, den vergangenen Jahrhunderten, mussten die Jäger hier ein wahres Paradies angetroffen haben. Wenn man sich in die Kulturgeschichte des Königssees vertieft, und sich dabei ganz besonders für die jagdlichen Aufzeichnungen interessiert, dann staunt man als Leser nicht schlecht, welche Tiere die Jäger im Königsseegebiet damals so vor die Büchse bekommen haben. Kein Wunder also, wenn die Insassen des Augustiner-Chorherren Stifts von Berchtesgaden, die den Freuden des Lebens keineswegs abgeneigt waren, auch die Jagd hier am See zu schätzen gewusst haben. Das Chorherren-Stift in Berchtesgaden wurde im übrigen im 12. Jahrhundert gegründet, war lange eigenständig, bis es kurzzeitig von Salzburg annektiert und 1810 endgültig an Bayern angeschlossen worden ist.

Jagd in vergangenen Zeiten

Gerade die Fürstpröbste, des damals reichsunmittelbaren Landes, schätzten die Jagd ganz besonders und zählten diese zu Ihrem Hauptvergnügen. Aber nicht nur diese, sondern auch die Gäste der kirchlichen Oberen genossen die Jagd am einzigartigen Alpsee. So wurden als Jagdgäste auch die bayerischen Könige, Kurfürsten und allerlei ausländische Staatsgäste damals zur Jagd eingeladen.

Damals war der Wildbestand am St. Bartholomä See derart umfangreich, dass selbst die ungezügelsten Ausschweifungen der jagdlichen Geschehnisse, die von den fürstlichen Herren ausgeübt worden sind, den Tierbestand augenscheinlich nicht erschüttern haben können.

Das wichtigste Revier war allerdings das Wimbachtal. Aufgrund seines ganz enormen Wildreichtums hatte es sogar den Beinamen Tiergarten. Der letzte Berchtesgadener Fürstprobst ließ sich sodann auch ein kleines Jagdschloss im Wimbachtal bauen. Heute wird dieses Schloss im Wimbachtal als Ausflugsgaststätte genutzt.

Artenreichtum am Königssee

Hier ein paar Eindrücke über den damals vorhandenen Wildreichtum. So gibt es Erzählungen, dass im 17. Jahrhundert ein gewisser Hans Duxer alleine 127 Lämmergeier erlegt haben soll. Zur gleichen Zeit erlegte Urban Fürstmüller 25 Bären und 43 Steinadler. Heute werden solch alte Geschichten aus der Fürstpröbstlichen Jägerei eher mit Befremden aufgenommen. So berichten so manche Aufzeichnungen von Hetzjagden, bei denen das Rotwild und bevorzugt Hirsche von Hunden in den Königssee hineingehetzt worden sind. Die Tiere schwammen verängstigt um Ihr Leben und die Jäger warteten in einem Boot und schossen vom Boot aus die Tiere ab.

So berichtete der Literat Friedrich Schönau in seinem pathosbeladenen Buch Hochlandromantik um den Königssee das vor allem die Adlerjagd ein heroisches Tun darstellt. Ein weiteres Buch nennt sich Adlergraf und wurde von Max Arco-Zinneberg geschrieben. Darin heißt es, dass man die schlauen Luder besonders gut anlocken und erwischen könne, wenn man in der Nähe des Adlerhorstes ein Katzerl fest bindet oder den flugunfähigen Jungvogel zum Schreien bringt. Helden dieses Schlages waren es, die aus heutiger Sicht für die Ausrottung so mancher Tierart hier in der Gegend rund um den Königssee verantwortlich sind.

Noch heute wird sich in verklärter Romantik gerne an die großen Hofjagden erinnert, die von Prinzregent Luitpold durchgeführt worden sind. Bis zu seinem Tod im Jahre 1912 fanden fast ein Vierteljahrhundert hindurch in regelmäßigen Abständen solche Hofjagden im heutigen Nationalparkgebiet statt.

Hirsch und Gams

Besonders verheißungsvoll waren hierbei die Pirsch auf Gemsen und Hirsche. Erstmalig erwähnt wurden die Jagden am Königssee im Jahre 1436. Schon damals galt als Regel, was auch die folgenden Jahrhunderte hindurch beobachtet werden konnte. Die hohen, damals durchwegs geistlichen Herren liebten die Jagd sehr, jedoch nicht die damit verbundenen körperlichen Strapazen. Die Untergebenen mussten somit alles tun, damit die Herren es möglichst angenehm beim Schießen hatten.

Der bereits oben erwähnte Adlergraf war der damalige Besitzer des Schorngutes in Unterstein. Dieses Landgut wurde von keinem anderen als Ludwig Ganghofer in seinem Roman Schloss Hubertus verewigt. Der Adlergraf hieß eigentlich Graf Max von Arco-Zinnenberg. Heute gibt es zur Erinnerung noch eine Graf Arco Straße in der Schönau. Dieser Graf stellte ebenfalls in ungehemmter Leidenschaft den Tieren nach. So hat er in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts die meisten Steinadler am Obersee erlegt, und besaß in seinem Jagdhaus am Schornweiher eine riesige Geweihsammlung.

Die letzten Steinadler im Königsseegebiet wurden um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts geschossen. Bei der im Sommer 1943 im Berchtesgadener Rathaus stattgefundenen kulturhistorischen Ausstellung, konnte man einen eigenen Jagdsaal vorfinden, der unter der Bezeichnung Königssee-Saal eine große Anzahl von Jagdtrophäen und Jagderinnerungen aller Art aus dem Gebiet dieses Sees vereinigte.

Wildtiere in heutiger Zeit

Heute finden keine Hofjagden mehr statt, und der Wildbestand ist schon lange auch nicht mehr so, dass der Wanderer bzw. Bergsteiger befürchten muss, dass er vom Wild umgerannt wird. Heute kommen die Besucher vielmehr zu den Wildfütterungen, um das Rotwild zu beobachten. Heutzutage gibt es im Vergleich zu früher moderate Abschussplätze, die ein ausgewogenes Verhältnis der wildlebenden Tiere im Nationalpark zur Fauna gewährleisten soll.

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